Wilde Gedanken


0301
Januar 4, 2009, 1:59
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Money orientation.

The last days after the massive accident in the club at New Years Eve:

Newspapers discuss the details of compensation.

How much does everyone get.

Instead of an outcry for improvement of security and fire exit rules

or the criticism of the lack of security because of police corruption.

Education system

In college (very similar in university):

The teacher copies the whole hour texts completely from the textbook to the board

the more eager ones, the new ones,

the others read out aloud from the textbook and the class just writes it down.

exams are multible choice system.

no thinking, no questioning, no analyzing, no interpretation, just learning by hard

Does that make young people narrow minded?

There’s no relativity taught, no ambiguity, no multible oppinion, no perspectivness

there’s only one truth and this needs to be cited as it is, unchangeable.

Natürlich urteile ich ethnozentrisch (oder eurozentrisch).

Ich bin ja als urteilsfähiges Individuum nur Kind meiner Gesellschaft.

Doch ist das bloße Zugeben schon eine Entschuldigung?

Gar eine hinreichende?

Gar eine Legitimation?

Will nicht die westliche Bourgeouisie, wie schon Marx in seinem Manifest verkündete, sich nur eine Welt nach ihrem Bilde schaffen? Legitimiert durch „ihre“ universalen Menschenrechte. Klar, sind eben diese anzuzweifeln (Das ist übrigens alles!), doch wer würde deswegen auf sie verzichten? Wer würde einer kulturrelativistischen Kritik willen noch mehr Tod und Leid bevorzugen?

In dieser Welt herrscht der Trübsinn einer Akkumulation ohne Ziel und Ende – mag eine kapitalismuskritische Stimme sagen. Eines heutigen global vernetzten Kapitalismus. Und Akkumulation beinhaltet dann eben auch Aneignung und Umdeutung und Neuinterpretation. Ist Akkumulation nicht etwas dem menschlichen Leben immanentes? Irgendwie. Menschliche Konstrukte und Begriffe wie Raum und Zeit sind doch ebenso ohne Ziel und Ende und somit dem Prinzip der Akkumulation unterlegen.

Euer Liberalismus ist ein vulgärer, sagen sie mehr oder weniger, dem nichts heilig und alles gefügig ist.

Wir ehren Buddha, die Eltern, den König, die Autorität und machen sie kritikunfähig.

Doch muss ich mir den Vorwurf des imperialistischen Einverleibens und Gleichmachens gefallen lassen?

Sie wollen doch alles gleich haben innerhalb ihrer Gesellschaft.

Ich bin für eine Pluralität von Meinungen.

Ich will nur, dass sie meine auch akzeptieren und respektieren.

Versuche ich durch diese Forderung, ihnen meine Maßstäbe aufzuerlegen?

Ich wundere mich übrigens, warum einer so buddhistischen Gesellschaft der Wandel so widerstrebt.

‘Change’ ist doch etwas, das gleich auf der Titelseite steht. Ein Basisprinzip. Eine Ordnung der Welt und des Seins.

‘The middle way’

Ein Ressentiment gegen das Eigenständige und Eigensinnige, ein Nicht-Anerkennen, ein Ausblenden.

Ein Unterworfensein, eine Hörigkeit dem (vorwurfsvoll genannt: importierten) Kapitalismus verbietet jede erhabene Indifferenz dem ökonomischen Prinzip, dem gesellschaftlichen Dogma gegenüber.

Lasse ich mir von den herrschenden Ängsten der Gegenwartsgesellschaft mein Leben diktieren,

Geht das große Singular des Wir mit einer repressiven Entsublimierung der Gesellschaftsmitglieder einher.

Ist es das wert.

Das Vergleichen des Unvergleichlichen unterwirft alles und jeden dem Identitätszwang.

Der Tourist, der Reisende eine Ware des Kapitalismus.

Er kann sich nicht aus sich selbst heraus behaupten, es sei denn, er lässt sich darauf ein, beurteilt, einsortiert und festgestellt zu werden.

Eine widersprüchliche Logik.

Eine irrationale Rationalität.

Ich werde konfus.

I have faith in chaos.

Ich denke beim Schreiben und Sprechen.

Sonst auch, aber anders.



0201
Januar 3, 2009, 12:49
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Words of Farewell

Ich nähere mich dem Ende.

Meiner Zeit und meines Wunsches

von Versuch und Motivation und Neugierde.

Von nun an werde ich nur noch Reisende sein

Lächelnd und respektvoll,

ich werde einzelne Menschen mögen und Augenblicke genießen.

Doch ich werde mich nicht mehr in Relation zur Gesellschaft setzen.

Und ich weiß nun, dass ich nicht zurückkehren werde.

Als Reisende, vielleicht.

Als Ethnologin oder zum leben, nein.

Ich danke der Gesellschaft.

Ich weiß nun meine eigene umso mehr zu schätzen.

Sehe die Freiheit meiner eigenen nun mit anderen Augen.

Ich habe erfahren, wie sich Ausländerfeindlichkeit anfühlt.

Nicht nur gesehen, gehört, von außen wie bisher.

Ich habe erfahren, jeden einzelnen Tag zurückgewiesen zu werden,

manchmal gehasst

manchmal verachtet

nicht verstanden

nicht für mich interessiert

und fast nie respektiert

zu werden.

Natürlich gab es auch viel Freude und wunderbare Begegnungen zwischendurch.

Natürlich bin ich nicht so blind, von allen Thais zu sprechen.

Ich rede ganz einfach von den Menschen, denen ich hier in Bangkok begegnet bin.

Und ich vermute wirklich, dass es auch sehr an Bangkok liegt.

Ich weiß nun, dass ich weiß bin, weil es mir diejenigen, die es nicht sind jeden Tag sagen und zeigen.

Ich weiß nun, dass ich reich bin, weil das der einzige Wert ist, der meiner Person hier zugestanden wird.

Ich weiß nun, dass ich eine Frau bin und mir nicht alles erlaubt ist.

Faul bin ich, weil ich keine körperliche Arbeit verrichte.

Fett bin ich auch.

Und ein Mensch zweiter Klasse, weil nicht in Thailand geboren.

Unwissend bin ich und unglücklich, da keine Buddhistin.

Ich mache das für dich, du kannst das nicht.“

(Nein? Wie habe ich das denn bisher ohne dich gemacht?)

Ich bemitleide ich, weil du keine Thailänderin bist.“

(Eigentlich bin ich ganz zufrieden, Deutsche zu sein. Das habe ich vorher noch nie gesagt.)

Du bist eine Frau, trink Whiskey Soda. Bier macht fett, nur Männer dürfen das trinken, weil Männer mit Bauch sehen smart und wohlhabend aus. Frauen dürfen nicht fett sein, du musst was für deine Figur tun.“

(Ich bestelle ein Bier.)

Du solltest nicht die einheimischen Zigaretten rauchen. Die Leute respektieren dich dann noch weniger. Wenn du Marlboro rauchst, denken wir Thai du bist reich. Dann behandeln sie dich ein bisschen besser. Doch nur Light oder Menthol, Marlboro red sollten nur Männer rauchen. Wenn du Krong Thip rauchst, die einheimische Marke, werden dich die Leute verachten und als Vogelscheiße-Ausländer bezeichnen. Denn Ausländer ohne Geld sind nichts wert und werden verachtet.“

(Ich habe diese Aussage mehrmals überprüft, immer wieder andere Leute gefragt, ob das stimmt. Ich habe jedesmal ein ‘Ja, genauso ist es.’ als Antwort bekommen. Wie traurig ist es doch, in einer Gesellschaft zu leben, in der man nach der Zigarettenmarke beurteilt und dementsprechend behandelt wird.)

Kann ich dich küssen?“

(Nein, ich habe einen Freund.)

Kann ich mit dir schlafen.“

(Nein, gleicher Grund.)

Magst du Thai Männer?“

(Ich mag Männer nicht aufgrund ihrer Nationalität. Ich mag Menschen, Individuen, einzelne Personen.)

Mit wie vielen Thai-Männern warst du in den letzten drei Monaten im Bett?“

(ICH HABE EINEN FREUND UND ICH BIN TREU.)

Kann ich dich nach Hause bringen?“

(Nein, ich gehe allein.)

Aber das ist gefährlich. Ich bringe dich, ich rede mit dem Taxifahrer.“

(Was meinst du, wie ich die letzten Wochen jeden Abend nach Hause gekommen bin?“

(Differenzierst du und deine Freunde zwischen den verschiedenen Touristen?)

Ja klar. Die guten haben saubere und teure Kleidung. Sie trinken Black Label und rauchen Marlboro. Und sie reisen zusammen, als Mann und Frau.“

Was machst du denn hier den ganzen Tag. Bestimmt nur schlafen und essen. Und rumhängen, dich langweilen. Ich kann mich um dich kümmern.“

(Ich sagte doch bereits, ich schreibe meine Abschlussarbeit für die Uni. Ich schlafe, wenn ich müde bin, ich esse, wenn ich hungrig bin. Und ich kenne durchaus Leute hier.)

Mich und wen noch?“

(Ungefähr 50 Leute, eine Handvoll, mit denen ich manchmal Zeit verbringe.)

Andere Ausländer bestimmt.“

(Nein, Thai.)

(Kann ich das Tshirt dort im Regal mal anschauen?)

Nein, das passt dir sowieso nicht.“

(Ich gucke sie ungläubig an und gehe schweigend aus dem Laden.)

Kaum.

Ökologisches Bewusstsein.

Verständnis für Vegetarismus/Veganismus.

Respekt für Queer/Gay/Transsexual/Whatever.

Interesse am internationalen Geschehen.

Und an der Zukunft der Welt.

Interesse an anderen Ländern und Kulturen.

Kritik.

Skepsis.

Infragestellen.

Widerspruch.

(Wie ist deine Meinung zu…?)

Das interessiert mich nicht, ist mir egal.“

(die Millionen von Plastiktüten, die politischen Unruhen und Umbrüche in Bangkok und Thailand gerade, der krasse Verkehr, der neue amerikanische Präsident, die Lage in Israel/Palästina, global warming, die Unruhen im Süden, die eingeschränkte Medien- und Meinungsfreiheit, die Finanzkrise, die Korruption der Polizei, die Diskriminierung der politischen Flüchtlinge hier und der hilltribes, etc.)

Ah, Deutschland. Ihr habt eine Mauer und Nazis, nicht?“

(Auf welcher Universität hast du nochmal deinen Abschluss gemacht?)

Freunde geben mir manchmal Thai Namen.

Da die Bereitschaft, Andersartiges zu akzeptieren, sehr sehr gering ist.

Ein Name, den sie nicht kennen oder nicht aussprechen können, zählt nicht.

Also gaben sie mir bekannte thailändische Namen.

Sie haben mich Oi (Zuckerrohr) genannt, weil ich angeblich so süß bin.

Allen, denen ich den Namen anschließend sage, fragen nach meinem Süßigkeitenkonsum.

Sie haben mich Fa (Himmel) genannt. Ich weiß nicht warum.

Allen denen ich den Namen anschließend sage, meinen die letzte Thai Miss Universe heißt auch Fa. Die ist aber im Gegensatz zu mir schlank.

Sie haben mich Manao (Zitrone) genannt. Warum Zitrone frage ich. Weil du von außen sauer und innen süß bist.

Dem nächsten, dem ich Manao als Namen sage, meint- Ja, du hast ein Gesicht wie eine Zitrone.

Ich frage Ton, was das bedeutet. Er sagt, sie halten dich für billig und leicht zu haben.

Seitdem heiße ich nur noch Franziska.

Ich verschenke kleine Schneeflocken, die in der Bar rumliegen. (Watte als Weihnachtsdekoration.) Dort wo die Thai betrunken und sehr sehr aufreizend tanzen. Ich strecke meine Hand aus, auf der eine kleine Watteschneeflocke liegt und sage, wie alle hier seit Tagen zueinander- Sawatdii bii mai (Happy New Year.) Mit meinem bestmöglichen Lächeln. Sie schauen mich verwirrt an und sagen- Du bist betrunken. Geh nach Hause.

Ich bin eine arrogante Ausländerin, weil ich nicht fünf mal am Tag Fleisch essen kann und will.

Ich bin eine wertlose Ausländerin ohne Geld, weil ich die zwei Kilometer zum Café zu Fuß laufe.

Ich habe keine Bildung oder zumindest ist die Bildung, die ich habe nichts wert, weil ich kein Thai kann.

Ich sitze mit einigen jungen Leuten in der Bar an einem Tisch. Die beiden Mädchen direkt neben mir auf der Bank ignorieren mich ganze drei Stunden lang, obwohl ich sie schon ein paar mal zuvor getroffen habe und immer wieder ein Gespräch zu beginnen versuche.

(„Ich reise in den kommenden Monaten nach Burma und Laos.“)

Was willst du da? Die Leute dort sind unzivilisiert und dumm. Bleib lieber hier in Thailand, da gibt es alles.“

(zu kaufen, ja.)

„Du solltest dich weiblicher kleiden. Du siehst aus wie eine Lesbe (Thai :Tomboy), die sind psychisch gestört.“

„Du musst deine Fingernägel maniküren.“

Es gab öfter Momente, in denen ich mich wehren musste, weil mir die Männer physisch zu nahe kamen.

Es fällt vielen schwer ein Nein zu akzeptieren.

Ich sitze mit Ton im Restaurant.

Er hat ganz zufällig das ausgesucht, in dem seine Exfreundin als Kellnerin arbeitet.

Das habe ich erst dort erfahren.

Sie mustert mich abschätzend.

Sie will das Essen abräumen. Ton sagt, wir seien noch nicht fertig.

Sie sagt auf Thai, deine kleine Ausländerin ist doch fett genug. Hast du Spaß mit ihrem Geld, zahlt sie dir alles, ja?

Ich starre sie mit großen Augen an. Sie denkt, ich verstehe sie nicht.

Es geht mir so nahe. Zu nah.

Ich habe geschafft, was ich mir vorgenommen habe.

Ich kenne fast alle Punks, die es hier so gibt.

Ich habe mich in eine Jugendsubkultur in einem anderen Teil der Welt integriert.

Sie vertrauen mir und wir gehen oft Bier trinken oder hängen irgendwo rum und erschrecken die Leute mit Kaimanen.

Ich habe auch Freunde gefunden.

Ich weiß NICHT alles, was es zu sagen und was es zu wissen gibt über die Punksubkultur hier.

Die Sprache verwehrt es mir.

Aber ich weiß genug, um meine theoretischen Hypothesen empirisch zu stützen.

Und dies ist eine Magisterarbeit, keine Promotion.

Nur sehr wenige meiner Kommilitonen nehmen sich die Zeit für Feldforschung.

Ich hatte glückliche Momente.

Ich hatte Spaß.

Ich traf auch wundervolle Menschen.

Doch davon soll hier jetzt nicht die rede sein, ich habe zuvor darüber geschrieben.

Ich mag auch viele Menschen hier, sie sind ja nicht böse oder aggressiv.

Doch ich komme mit den meisten irgendwie nicht klar.

Und diese Zeit hier hat unglaublich an meinem Selbstbewusstsein gekratzt.

Obwohl ich doch eigentlich stolz sein müsste, denn ich glaube, es erfordert schon ein klein wenig Mut, das hier zu tun.

Stattdessen fühle ich mich oft wertlos hier.

Es wird mir so oft eingeredet und aufgedrückt.

Dann verteidige ich mich selbst in Gedanken.

Doch nach Wochen und Wochen zweifelt man manchmal ein bisschen.

Ich bin es so sehr leid, nur auf mein Äußeres reduziert zu werden, meine Hautfarbe, meinen Körper, meine Kleidung, meine Fingernägel, meine Zigarettenmarke.

Man sieht sich selbst ja in der Welt und auch im Anderen.

Ich möchte mich so gern mal wieder bedingungslos fühlen.

Respektiert und akzeptiert sein.

Einfach nur so, als Mensch.

Ich kam hierher, weil ich die Menschen sehr mochte.

Ich habe sie geliebt, bevor sie mir ihre Sicht der Welt erklärten.

Ich habe ihr Lächeln gemocht, bevor ich erfuhr, dass es so oft falsch ist und gar nicht zu den begleitenden Worten passt.

Und je mehr ich sie kennenlernte, sie befragte nach ihren Gedanken, nach Werten und Wünschen,

je mehr ich mir bewusst wurde, wie sich mich sehen und beurteilen,

mir gegenübertreten, mich behandeln,

umso größer wurde meine Enttäuschung.

Und ich habe schwierige Momente erfahren, in denen ich nicht wusste, wie ich mit der Ausländerfeindlichkeit, dem Sexismus und dem Desinteresse an der Zukunft einer Welt aller Menschen umgehen sollte.

So war ich oft frustriert. Ich habe sie zu sehr auf einer persönlichen Ebene betrachtet, habe sie zu sehr als junge Menschen in einer globalen Welt gesehen, die sich doch ähnlicher Dinge bewusst sein müssten.

Muss ich Intoleranz tolerieren können?

Die alte Frage.

Ich kann andere Meinungen tolerieren, denn das ist ja demokratisch und menschlich.

Doch ich kann eben nicht Chauvinismus, Sexismus und Diskriminierung tolerieren. Sei es am anderen Ende der Welt.

Das mag naiv sein, idealistisch und unwissenschaftlich.

Nun, dann ist es das eben.

Ich glaube, es wäre mir sehr viel leichter gefallen, diese Intoleranz und das Nicht-Wissen (es ist ja eigentlich das Nicht-Wissen-Wollen, das mich so ankotzt) irgendwo auf dem Land, in den Bergen und abgelegenen Gegenden zu tolerieren und zu verstehen. Doch Bangkok fühlt sich nicht viel anders an als eine europäische Metropole, deshalb wahrscheinlich die gleichen Maßstäbe.

Und irgendwie sehe ich auch nicht ein, warum ich mich so behandeln lassen soll.

Warum ich mich plötzlich dem fügen oder jenes schweigend ertragen sollte, wogegen ich mich bisher aufgelehnt, wogegen ich gelebt und gesprochen habe.

Meines Vorhaben willens, na klar. Dafür habe ich es ja auch die letzten drei Monate ertragen und versucht irgendwie nett damit umzugehen.

Doch wäre es nicht Selbstbetrug, in einer Gesellschaft glücklich sein zu wollen, die vielen meiner Werte widerspricht?

Wäre es nicht Lüge und Illusion zu sagen, ich fühle mich wohl hier, ich integriere mich irgendwie.

Und wäre es nicht blöd, meine Frustration, meinen Ärger, meine Wut, meine Traurigkeit und mein Verletztsein zu verschweigen? Es ist ja ebenso eine Aussage. Es zeigt ein Abweichen, eine Differenz vom Gewohnten, so tief, dass es mich emotional sehr trifft. Ich bin keine Ethnologin, die Subjekte zu Objekten machen kann, die sich selbst in ausreichender Distanz zur Gesellschaft sehen kann. Und ich glaube, ich bin viel zu sensibel, um damit klar zu kommen. Ich spüre jede Abneigung im Bauch und jeder verachtende Blick trifft mich im Herzen. Es tut mir nicht gut. Mag das nun schlecht für eine Ethnologin sein, ja ja, doch es ist nun mal so und ich habe zumindest genügend Größe, mir all dies einzugestehen.

Also: ich brauche eine Pause.

Vielleicht werde ich noch einige Interviews führen, wenn ich in den nächsten Wochen und Monaten wieder mal in Bangkok oder Chiang Mai sein werde.

Grüße aus Bangkok.

Übrigens:

Das alles erinnert mich gerade sehr an „A diary in the strict sense of the term“.

Herr Malinowski, seien Sie gegrüßt.



2612
Dezember 26, 2008, 4:17
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finished the book my mum gave me for christmas.

I found myself in there so many times and I wonder if she knew.

Did she read it before, does she know me that good?

Maybe that’s this bookmagic again.

Sometimes I have the feeling that books are finding me.

And just when a question appears in my life, suddenly there’s a corresponding book I didn’t consciously choose to read or buy or pick from the guesthouse shelf.

Or maybe it’s just a change in awareness and perception.

It’s the cause or effect question.

It soothed my heart, it calmed my nerves, it gave me hope and inspiration.

There’s nothing to seek for.

Just be open and it’ll come to you on its own.



2512
Dezember 26, 2008, 4:13
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I had some days of introspection.

I must admit the struggle.

Painful memories hit me staring at the ceiling of my room.

Tears falling on the teakwoodfloor.

The air thick with cigarettesmoke, sandalwood inscense and lemongrass oil.

Some days of selfpity I needed for christmas.

Inbetween loud nights and punks.

I decided to forgive.

To forgive the ones having hurt me.

Forgiveness, my parents.

Forgiveness, all my past lovers.

Forgiveness, dear self.

Liberating my heart from pain and fear, from blaming and reasoning a bit creates space for love, awareness and passion.

Excuse my weak moments.

I’m trying hard to love without any ‘though’ and ‘despite’.

The same I’m longing for myself.

I reject the current of the sea, but sometimes you have to get dragged along a little to realize there is one and to decide to not let you get dragged along but choose to swim in another direction.



2412
Dezember 26, 2008, 4:09
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Oh I somehow fucking hate Christmas Eve in Thailand.

Same old stories.

One who forgot and one who doesn’t know.

So it’ll be my choice how to deal with it.

After writing a very dramatic letter to one of the most important people in my life

(please forgive these 6 or whatever pages and please forgive my absolute honesty my dear)

I felt relieved and ready to let it go.

Ahmy called me at 10pm.

He and the cute gay guy from the States cheered me up with their boyish craziness.

It can be easy, we just have to choose.



2312
Dezember 26, 2008, 4:06
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Ich habe eine Idee meiner Zukunftswünsche.

Permaculture, irgendwo auf dem Land in Europa.

Gestern hat mich jemand gefragt, ob ich hier für längere Zeit leben könnte.

Ich habe meine übliche Antwort gegeben.

Die gewohnten Argumente.

Doch sie haben mich nicht mehr überzeugt.

Wirklich? Habe ich mich gefragt währenddessen ich redete.

Eigenartig wie sich schleichend die Wahrnehmung ändert.

Aber eigentlich hätte ich ein westeuropäisches Fischerdorf lieber.

Dort wo es frischgebackenes Brot, reifen Käse und schweren Rotwein gibt.



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Dezember 26, 2008, 4:03
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Dezember 26, 2008, 3:59
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Sonntag.Hardcore mit Ton.

Er ist der mit Abstand punkigste Punk, den ich hier getroffen habe.

Er mag die Fashion-Punks nicht.

Er ist im Gesicht tätowiert.

Weiße Farbe.

Er mag Hardcore nicht so.

Doch ich mag Hardcore.

Er kannte nichtsdestotrotz fast alle Leute dort.

Er betet vor jeder Buddhastatue.

Und fragt mich, ob er meine Tasche tragen soll.

Und sagt, er ist nicht anti-irgendwas.

Er will nicht hassen, er respektiert jeden.

Und Punk never dies.

Doch gerade hält er in Thailand seinen Winterschlaf.

-Was kritisierst du an der Thai Jugend?

-Most of them are born, then marry, then die. That’s life for them. No change, no risk, no questions.

-What’s your dream for the future then?

-Love. But here it’s difficult for me. It’s not just the girl who has to love me. Her parents have to do as well. Look at me. They hate me. Their sense of life is so superficial. So shallow. And my other dream is a fishfarm. I wanna raise fish, I love fish. But my father wants me to get a real job, start a serious business. I would do a fish delivery business. You know, like Pizza Hut. People can call or order from the internet. I catch the fish from out of the water and deliver it. My mum wants me to marry, have children. They always say ‘Ton, you’re 32. When will you finally stop being a punk?’ ‘Mum, I am a punk for life. Punk never dies inside inside my heart.’



2012
Dezember 26, 2008, 3:55
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Ton and I.

We were stoned and drunk.

(I wonder what kind of scientist I am.)

He wanted me to sleep over at his place.

Cause it’s been so far from town.

I told him I will sleep in the other corner of the room.

My heart and my body ‘belongs’ to someone else right now.

He said ‘I know, I know. I’ll be a good man. I wouldn’t ever touch you.’

‘You better won’t. I will tell your Buddha.’

Well, after listening at 4 in the night to some Thai live band singing 80s lovesongs, I decided to leave and take a taxi back home.

I said goodbye to all the people I have been spending the night with all over town.

I rushed into the smoking room, saying goodbye with a wai to Ton.

Before he even could realise I was out on the street talking to a taxi driver.

He came running, he squeezed himself in the taxi.

‘No, I will go home now. Sweetheart, get your ass out of the taxi, cause I will definitely go home alone.’

He didn’t react.

I opened the door, pushed him outside, he tried to come back in.

I excused me and us to the taxi driver and asked him for a minute to solve the problem (suprisingly he understood my Thai without any problems.)

We were fighting a little on the street.

He is two heads taller then me.

All the people watching.

(Also his exgrirlfriend, as he told me afterwards.)

I like him a lot.

He’s very passionate and very understanding.

Very intelligent too. He didn’t even finish junior highschool.

He wanted to be a real punk.

Now at the age of 32 I can see why he’s so different.

There was no formal education that could have interfered with the education of life.

He called 18 times during the night.

Noon today again.

I didn’t pick up until four this afternoon.

He is a little annoying.

And apart from him being a man I would not be interested in, he reminds me of my yearning for finally seeing my lover again. To finally being able to spend time with the man I desire.

Ton wasn’t mad when I aswered his 35th phonecall.

We’ll meet at a hardcore concert today.

I will know better this night.



1912
Dezember 26, 2008, 3:50
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Dezember 26, 2008, 3:49
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Heute ein bisschen Musik.

Keine Lust zu schreiben.

Und Photos gab es in den letzen Tagen schon.

„…Aujourd’hui tout va bien
Aujourd’hui dans le creux de tes mains
Je me sens bien, si bien…“



1712
Dezember 26, 2008, 3:47
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I would state (that’s my risky guess) 30 percent of the Thai population are queer (gay or transvestite or ladyboys.) Why is that such a high number?

Despite, Thai people I asked, even young educated alternative folks, find it disgusting, against nature and sometimes really hate them.

2nd Why is that?

Someone offering some hypothesis?

I’m curious.



1612
Dezember 26, 2008, 3:42
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ขออภัยในความไม่สะดวก
เนื่องจากมีรูปภาพ หรือข้อความที่ไม่เหมาะสม ในเว็บไซต์ที่ท่านกำลังชม

Sorry, The web site you are accessing has been blocked by the requested of The Communication Authority of Thailand.

www.prachathai.com

Thai way of democracy.

Or media freedom.

There are more than 1300 websites blocked by the Ministry of Information since last year.

It includes 860 youtube videos and their mirror sites.

The pages of the international news magazine The Economist.

(Check the two recent articles about Thailand. Here and here. The magazine is usually available in print here. For this specific issue they blocked import. Have fun reading the comments on the online articles.)

The ministry would argue they are protecting the people from insults against the Thai monarchy and a threat to international security.

The Thai police and the internet providers block the websites as they wish despite the need for a court decision. The websites originating from more than 20 countries.

Popular Thailand-based online discussion web boards were also blocked. This prompted web board operators to moderate all threads and discussion and self-censor to avoid closure.

Also blocked are websites referencing Paul Handley’s book The King Never Smiles. All the expats I have met just dare to whisper to me about having read it.

Blocked as well, any unauthorised biography of the king and Thai Wikipedia entries.

So, I consider this country kind of a dictatorship. Concerning some structures of politics and lack of democratic values and rights. I tell that everyone I meet and talk politics with. I also remind them of the pressing need to be able to talk about what happens when the king dies (he’s 81). The discussion and democratic public debate can’t just start that day it happens. Cause it’s forbidden to talk about the time after. And Thai people have this strange hope he won’t die. That’s kindergarten behavior. I also tell them that. And I question their so called democracy. Their answer

- That’s Thai culture, the Thai way of democracy. You falangs (Ausländer) can’t judge about that.

- No? Well, how comes you Thai people can, do and are able to judge about international politics, German politics, the wrong doing of the German chancelor and the American president? And if I would critisize the king openly I will go to jail and have to pay a huge amount of cash?

- That’s because our king is truly a good person. He has never ever done everything wrong. And because we love him so much. You don’t love your chancelor and president that way. And you don’t have a king.

Gosh, this answer really sucks. Their is a very strange perception of democracy here in this country. Very strange.



1512
Dezember 26, 2008, 3:40
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Kann ich die Welt buchstabieren?

Die kleinen Einzelheiten, die Gerüche und Farben, die unverschämten Gedanken und verschwiegenen Träume?

Die Worte wie winzige Muscheln zu einer Kette fädeln.

Am Meer gesammelt.

Von den Wellen des großen Ozeans angespült.

Beliebig.

Oder nicht.

Werden sie dort liegen.

Und ich werde sie aufheben, bestaunen oder eben an ihnen vorüber gehen.



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Dezember 26, 2008, 3:38
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Dezember 26, 2008, 2:55
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webcam photos when working in the garden

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Dezember 14, 2008, 6:52
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Einige Bangkok-Impressionen.

Ein bisschen Alltag von mir.

Hier.

Punkshow

Chao Praya

Theater

bangkok

Wischmob

Fischer

Lamphu

musik

mehr musik

How I see people here.

Shock price!



1112
Dezember 12, 2008, 2:55
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Thoreau

Selbst in unserem verhältnismäßig freien Land sind die meisten aus bloßer Ahnungslosigkeit so von künstlichen Sorgen und von überflüssiger Schwerarbeit beansprucht, dass sie nicht dazu kommen, die feineren Früchte vom Baum des Lebens zu pflücken. Ihre Finger sind von der übermäßigen Plackerei zu unbeholfen und zittrig dazu. Das Erwerbsleben lässt den Menschen nicht genug Zeit, um den Alltag menschenwürdig zu gestalten […] Er hat keine Zeit, etwas anderes als Maschine zu sein. Wie kann einer, der dauernd seine Kenntnisse verwerten muss, noch daran denken, dass er im Grunde genommen nichts weiß? Dabei ist das die Voraussetzung jeder wahren Entwicklung.“

Das ist ein Glück, dem ich dankbar bin:

Der freien Zeit, der Freiheit, der Arbeitslosigkeit zufolge, kann ich denken.

Ich lerne gerade, dass ich im Grunde genommen doch nichts weiß.

Außer eben dies.

Und dass ich bin.

Cogito ergo sum.

Weil ich denke und suche und finde, zu finden glaube.

Und irgendjemand dort zuhause will, dass ich etwas Verwertbares schreibe.

Ich muss irgendwie in diesen Rahmen zurück, den ich verloren habe.

Kann mir nicht jemand Grenzen setzen.

Bitte.

Ich wusste (und Vi Vien wusste es auch, sogar viel besser als ich), dass ich mir einen betreuenden Professor suchen sollte, bevor ich die Forschung beginne.

Ich werde die nächsten Monate liebend am Strand verbringen.

Im Dschungel von Laos und den Tempeln Burmas.

Ich finde, das ist eine großartige Lösung für mein Problem.

Doch doch.

Hach, ich fühle mich wirklich glücklich gerade.

Wenn ich erst die 12 Millionen Metropole verlassen kann.

Und morgens nicht mehr alleine aufwache.

Das wäre atemberaubend.



1012
Dezember 12, 2008, 2:54
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Die Mehrbödigkeit und Widersprüchlichkeit der Kultur* ermüdet mich.

    *Ethnologie definiert sich nicht über den Begriff der Kultur, den sie mit vielen Nachbarwissenschaften teilt, sondern über einen besonderen methodischen Zugang zum Sozialen: die mikroskopische Untersuchung von gesellschaftlichen Prozessen, die sich immer in lokalen Settings abspielen, die auf diese Prozesse einwirken, von denen sie aber auch modelliert werden.

Soziale Ordnungen wurden und werden auf unterschiedliche Weise und in unterschiedlichen Kontexten hergestellt, legitimiert und reproduziert – politisch, religiös, wirtschaftlich, philosophisch, architektonisch, künstlerisch/ästhetisch etc.

Ich habe nicht die Zeit (und Muße, das muss ich zugeben), alle diese Kontexte zu untersuchen.

Nicht einmal den Aspekt, warum sie mich so anders behandeln und anders sehen, kann ich erschöpfend behandeln.

Es gibt so viele Dinge zu beachten, so viele Fragen zu stellen.

Alle gesellschaftlichen Gruppen sind in diesen Prozess der Abgrenzung involviert und versuchen dominante und/oder gesellschaftlich vermittelnde Diskurse auf unterschiedlichen Ebenen zu etablieren; sie konstruieren dabei permanent kulturelle Differenz.

In welchen gesellschaftlichen Zusammenhängen wurden und werden kulturelle Differenzen hier definiert, reproduziert, konstruiert, rekonstruiert?

Welche kulturellen und sozialen Praktiken wurden und werden dabei neu entwickelt, welche unterdrückt und welche Strategien eingesetzt, um andere beizubehalten?

Welche sozialen und kulturellen Grenzen wurden und werden überwunden, welche neu gezogen?

Welche unterschiedlichen Erfahrungsebenen, kollektive und individuelle, spielen dabei in der Bedeutungsgebung eben dieser Praktiken hinein?

Wie sollte ich dies alles miteinbeziehen können angesichts meines Rahmens?

Es ist ja auch nicht alles offensichtlich.

Und wird erst recht nicht in Interviews kommuniziert.

Es braucht einen tiefen Einblick, umfassende Beobachtung und Teilnahme, um zum Beispiel zwischen der normativen, der gezeigten (plakativ, intentional, normativ und deklamatorisch) und der verborgenen (ausgegrenzt, verschwiegen oder überblendet) Kultur reden und unterscheiden zu können.

Auch ein Vergleich wäre nötig.

Ich habe ja ein Ausgangskonstrukt in meinem Kopf, eine Idee, ein Konzept von Subkultur, Jugend und Punk.

Ich müsste vergleichen – in zeitlicher und räumlicher Hinsicht – dabei werden Überschichtungen, Beeinflussungen und vor allem aspektivische Differenzen sichtbar.

Ich muss die Kultur/die thailändische Gesellschaft/die Jugend hier/die Subkultur etc. mehrdimensional begreifen, sehen, untersuchen, damit ich nicht den oft begangenen Fehler der Sozialwissenschaften begehe und eine künstliche Starrheit erzeuge, schreibe, hinein interpretiere.

Es ist so einfach zu einer Hypothese zu kommen.

Doch immer überdecken laute und grelle Zeichen die leisen und unscheinbaren.

Das erfordert Vorsicht, Aufmerksamkeit, Skepsis und vor allem Zeit und Erfahrung.

Und erst recht ein fließendes Sprachvermögen.

Alle Kultur ist vielstimmig und heterogen.

Jede sprechende Einheit lässt sich auch in widersprechende Bestandteile zerlegen.

Kurz:

Ich fühle mich überfordert.

Urteile bei Bier und im Blog sind leicht zu fällen.

Oft emotionsbedingt.

Kann ich denn von einer Türklinke schreiben, wenn ich den Rest des Hauses nicht kenne, sondern das Gebäude nur mal von der Straße aus erblickt habe?

Ey, was zum Teufel soll ich in dieser beschissenen Magisterarbeit schreiben???

Die Wissenschaft kann mich mal.

Ich will einen richtigen Job.

Café oder Zeitung.

(Wohlgemerkt: Nicht als Kellnerin, die Jobs habe ich abgrundtief gehasst. Und nicht in einer Tageszeitung. Fünf Jahre Mitteldeutsche Zeitung waren genug. Da habe ich auch angefangen zu rauchen und Kaffee zu trinken. Jeder Reporter, der was auf sich hielt, hatte einen Kaffee und einen Aschenbecher auf dem Schreibtisch stehen. Und da man mir einen Schreibtisch gab, welche Wahl hatte ich denn, hm?)

Vielleicht Büro, vielleicht eine Stiftung.

(Vier Bürojobs haben mir mein Chaos aufgezeigt, nein das geht nicht.)

Vielleicht doch Museum.

(Da gibt es auch Pressearbeit. Nein, ich hab’s nicht so mit Objekten. Und ich fand die Arbeit im Museum stinklangweilig.)

Ich hab mal in der Küche gearbeitet. Das war doof weil ich immer so kochen musste wie die Köchin das wollte.

Außerdem war Hochsaison und mehr als 14 Stunden am Tag eher die Regel.

Ich hab mal bei einem Kfz-Gutachter gearbeitet. Aber Autos sind nicht so mein Interessengebiet.

In einer Keksfabrik, in einem Supermarkt, in einer Folienfabrik, in einer Pizzaria, in einem Baumarkt, auf dem Weinfeld, in einem Callcenter, als Kinderwandergruppenbetreuerin, in einem Guesthouse/Hotel (Da durfte ich Bettenmachen, Zimmer dekorieren, Wände mit Blumenmuster bemalen, den Garten bepflanzen, Gäste betreuen, Früchstück machen. Das war eigentlich ziemlich gut. Und es war in Neuseeland.)

Ich war mal Assistentin des Geschäftsführers. Ha ha, nein nichts Versautes. Das ist nur eine Art persönliche Sekretärin. Aber Aktensortieren und diktierte Texte abtippen ist blöd. Echt.

Marketing fand ich eigentlich ganz lustig, aber das widerspricht meinem Widerwillen gegen eine Kauft-Kauft-Konsumgesellschaft. Vielleicht Marketing für was Gutes?

Wie macht das diese Frau mit den Locken bei Sex and the City? Die schreibt einmal pro Woche eine Kolumne über ihren Alltag und die Liebe und die Männer und kann sich ein Apartment in New York leisten? Film, hm?

Früher wollte ich immer Lehrerin werden.

Mittlerweile wird auch Ethnologie an Gymnasien unterrichtet.

Aber das kann ich nur in Deutschland.

Ich will mich nicht auf dieses Land beschränken.

Kommune.

Hausfrau.

Buchladen! (Nein, denen geht es gerade mehr als beschissen. Erfahrungen meines letzten Jobs. Alles nur noch große Ketten und Amazon.)

Oh.

Scheiße, ich glaube ich bin nicht arbeitsmarkttauglich.

Hat jemand eine Idee?

Was wollt ihr denn so für einen Job?

Das war mein Trost bisher:

„Wenn ich es für ein Ethnologiestudium notwendig habe zu wissen, was ich hinterher damit anfangen kann, dann studiere ich schon falsch“, sagt Ethnologe Wolfgang Habermeyer. „Diejenigen, die sich Anfang 20 bereits vollkommen im klaren darüber sind, was sie wollen, würden sich mit der Ethnologie nicht wohl fühlen“, sagt sein Kollege Alexander Knorr.

Doch ich nähere mich dem Ende des Studiums.

Und bin nicht mehr Anfang 20.



0912
Dezember 12, 2008, 2:52
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Heute morgen habe ich beschlossen, mal zu einem Arzt traditioneller chinesischer Medizin zu gehen.. Chinatown. Ich habe von einem chinesischen Krankenhaus dort gehört, in dem es sehr gute Ärzte geben soll. Ich bin ein bisschen nervös der Sprache(n) wegen.

In der großen Empfangshalle versuche ich mein Glück an der Information. Traditionelle Medizin ist nicht hier, sondern in unserem anderen Gebäude, sagt ein junger Mann. Er bringt mich hin. Durch den Hinterausgang, ein paar kleine Gassen weiter. Dort muss ich einige Zettel ausfüllen, ein paar mal irgendwo unterschreiben, keine Ahnung wofür genau. Dann legt die Krankenschwester eine Akte an. Anschließend wiegen und Blutdruck messen, mitten in der Empfangs- und Bezahl-Wartehalle. Gehen Sie zu dem Arzt in Zimmer 306, dritter Stock. Okay. Ich warte oben vor seiner Tür. Irgendwann kommt eine Krankenschwester raus und sagt was auch immer. Ich verstehe es nicht. Ich folge ihr einfach. Der Raum ist recht groß und sieht aus wie ein Operationssaal. 15 Betten vielleicht. Vorne links ein Schreibtisch. Es sind noch zwei Patienten vor mir, die gerade vom Arzt behandelt werden. Ach manchmal vermisse ich die gewohnte europäische Privatsphäre. Aber es sollte sich als durchaus hilfreich erweisen. Meine paar Worte Thai und Chinesisch, die ich in so einer Situation benutzen könnte, sind schon nach 2 Minuten erschöpft. Ich versuche mich mit Händen und Füßen zu verständigen. Die Patienten vor mir können ein wenig Englisch und helfen mir (Sie sind Professoren an einer Universität). Dafür wissen sie nun auch Bescheid über meine Wehwehchen, die Beschaffenheit meiner Zunge, meines Pulses, wie oft ich aufs Klo gehe und wie meine Periode verläuft. Ja ja, sowas fragen sie immer bei der trad. chin. Medizin. Ich weiß nicht so genau, ob ihnen das wirklich bei ihrer Diagnose hilft, aber na ja. Ich habe mich komplett in die Hände des alten Arztes mit den schwarz gefärbten Haaren und den Leberflecken, aus denen 10cm lange weiße Haare wachsen, begeben. Soll er mal machen, soll er nur sein Glück versuchen.

Die Leute fragen mich, ob es auch traditionelle chinesische Medizin in Deutschland gibt.

-Klar, ist aber ziemlich teuer.

-Teurer als die moderne Schulmedizin?

-Nein, aber die Versicherung zahlt dafür nicht.

-Ja, hier ist es genauso. Die Versicherung zahlt die Schulmedizin, jedoch nicht die traditionelle. Deshalb ist das hier ziemlich teuer für uns.

-Glaubst du an diese Medizin hier? Viele Ausländer tun das nämlich nicht.

-Doch doch.

-Ich habe gehört, traditionelle Heilmedizin und dieser ganze Kräuterkram sind zur Zeit sehr angesagt in Deutschland. (Ihr Schwager kommt aus Stuttgart.)

-Ja, glaub ich auch.

Mmh, ich habe gar nicht so viel Geld im Portemonnaie. Meine Kreditkarte ist auch zuhause. Na ich warte mal ab.

Der Arzt hat mir glaub ich 8 verschiedene Kräuter verschrieben.

Chinesische Arztkrakelschrift ist noch schlimmer als lateinische Arztkrakelschrift.

-Weißt du, wie man die zubereitet?

-Nein, keine Ahnung.

-Dann machen die das hier im Krankenhaus für dich. Du kannst es dann übermorgen abholen.

-Okay.

Ich bekomme einen neuen Termin bei dem Arzt.

Keine Ahnung wozu. Denkt er denn seine Kräuterchen wirken schon nach zwei Tagen?

Die Krankenschwester fragt die umher stehenden Leute, welches Jahr die Ausländer gerade haben.

2008.

Wie süß.

Ich habe beim Ausfüllen der Anmeldung 2051 als Datum geschrieben.

-Welche Uhrzeit ist der Termin?

-Ach irgendwann am Nachmittag.

-Koop kun ka. Xie Xie. Zaidian.

Ich muss in der Bezahlhalle warten. Viel länger als ich beim Arzt gewartet hab. Ich hoffe mein Geld reicht. Wär ja schon peinlich, wenn gerade die Ausländerin (und 90% aller Thai denken, die Ausländer sind allesamt unverschämt reich) nicht genügend Geld dabei hat.

800 Baht. Für Arztkonsultation, 8 verschiedene Medizinsachen und die Zubereitung derer.

16 Euro, nicht schlecht.